Seit der FC Kickers Obertshausen seit Ende Januar Flüchtlinge vor Ort zum Fußball spielen einlädt, ist Mohammad A. als Abwehrspieler Teil der Hobby-Mannschaft.Sport macht nicht nur Spaß, sondern ist auch wichtig für die Gesundheit!“, sagt Mohammad A. An diesem Tag kann der 26-jährige Syrer aufgrund einer Fußverletzung, die er sich bei der letzten Trainingseinheit im Schnee zugezogen hatte, nicht mitmachen. Schade, findet er. „Ich bin glücklich, wenn ich spiele. Dann sind alle Probleme vergessen.”

Mohammad A.Zeit für Ablenkung

Zeit zum Kicken hatte Mohammad A. in seiner Heimat nicht. Zum einen wegen des tobenden Bürgerkriegs in Syrien, zum anderen wegen seines Bauingenieur-Studiums, das er erfolgreich absolvierte. Seine Geschichte erzählt er auf Deutsch – verblüffend,  wenn man bedenkt, dass er erst vor sieben Monaten nach Deutschland gekommen ist. Von Syrien aus ging es nach Libanon, von dort aus in die Türkei, wo er sich ganze acht Monate aufhielt, über die Balkanländer bis hin nach Deutschland. In Gießen kam er in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge – nach einer langen Zeit wurde er der Stadt Obertshausen zugeteilt. Fünf Monate lang lebte er mit seinen neuen Fußball-Freunden in einem Container, eine Gemeinschaftsunterkunft für die Flüchtlinge vor Ort. Mohammad hat vorerst eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre. Inzwischen bezieht er eine eigene Wohnung im Ortsteil Hausen – mehr als 400 Kilometer von seiner Familie entfernt. Seine Eltern und seine Schwester leben schon seit eineinhalb Jahren im niedersächsischen Oldenburg.  Alle zwei bis drei Monate geht er sie besuchen.

Und was macht er sonst so?

Mohammad besucht die Lernwerkstatt der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Dietzenbach. Dort nimmt er an einem Integrationskurs teil, wo er Deutsch lernt und über die deutsche Kultur erfährt. So ganz fremd ist ihm das alles aber nicht: Mohammad war vor bereits sechs Jahren in Deutschland  – genauer gesagt in Bremen. „Mein Onkel wohnt hier”, erzählt er, „und ich weiß viel über die deutsche Kultur.” Deutsche Freunde hat er auch schon. „Die Leute hier sind so nett”, sagt er. Den Sprach- und Integrationskurs kann er aber nur wegen seiner dreijährigen Aufenthaltserlaubnis nutzen. Was er vorhat, wenn er danach weiterhin in Deutschland bleiben darf? „Dann will ich meinen Master an der Technischen Universität Darmstadt machen und Geodäsie studieren”, sagt er. Man merkt: Nach diesem Ziel sehnt er sich unglaublich stark.

Sonst sind seine Gedanken auch oft bei seiner Heimat. Und bei seinen Freunden. Mohammad könnte sich zwar vorstellen, eines Tages zurückzukehren, um sein Land aufzubauen. Aber erst, wenn der Krieg vorbei ist. In naher Zukunft ist eine Rückkehr für ihn in keiner Weise vorstellbar. „Es ist schwer, nach Syrien zurückzukehren. Ich habe so viele Freunde dort, die in Lebensgefahr sind.” Mit diesen stehe er täglich in Kontakt. Er sei erleichtert, wenn ihnen nichts zugestoßen ist. Jetzt aber will sich Mohammad aber erst konzentrieren auf seine Familie, seine Lernkurse, seine Zukunftspläne und sein neues Hobby. Fußball bietet ihm Ablenkung. Das Verhältnis zwischen ihm und seinen Sport-Kollegen sei super – gleichzeitig hat er neue Freunde dazu gewonnen. In einem neuen Land. Mit einer neuen Kultur. Er beginnt ein neues Leben.

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