Fußball verbindet, lenkt ab und macht unheimlich viel Spaß – das finden auch die Flüchtlinge der Gemeinschaftsunterkunft in Obertshausen: Seit Ende Januar lädt sie der FC Kickers Obertshausen zum Kicken ein. Aus den ersten Trainingseinheiten soll für die Hobby-Mannschaft eine regelmäßige Veranstaltung werden.

Hier geht es um Spaß und Fair Play – das betont Coach und Ehrenamtler Reinhardt Neumann in der Mannschaftssitzung vor dem Spiel. „Der Leistungsgedanke steht erstmal ganz hinten“, sagt er. Von der Sporthalle geht es raus auf den Gummiplatz. Die Syrer und Iraker teilen sich in zwei Teams auf – mit jeweils gemischten Nationalitäten. Eine Gruppe trägt neongelbe Leibchen. Erst sind nur ein paar Fetzen Arabisch zu hören – dann beginnt das Spiel, die verbale Kommunikation wird lauter. Der Ball fliegt in die Höhe, die Hobbie-Fußballer spielen ihn sich gegenseitig zu, sie sprinten, lachen, fluchen, kicken und foulen – zwei von ihnen fallen plötzlich mit verzerrtem Gesicht zu Boden. Sie sind zusammengestoßen, völlig außer Atem, doch es dauert keine Minute, bis sie wieder aufstehen und vollen Körpereinsatz zeigen.

Neumann gibt Anweisungen – ob auf Deutsch oder Englisch, Mohammad übersetzt sie dem Team. In den sieben Monaten, die der 26-jährige Syrer bislang hier ist, hat er sich seine Deutschkenntnisse durch Sprachunterricht und durch deutsche Freunde angeeignet. Aufgrund seines Ingenieur-Studiums und des Krieges in Syrien hatte er kaum die Gelegenheit, Fußball zu spielen. Jetzt bietet sie sich an. Doch an diesem Tag übernimmt Mohammad aufgrund seiner Fußverletzung nicht die Rolle des Abwehrspielers, sondern – wie oft auch – die des Dolmetschers. Er blickt während des Gesprächs mit ihm oft zu seinen Kameraden. Nur zu gerne würde er mitkicken. „Ich bin glücklich, wenn ich Fußball spiele“, sagt er. „Es macht nicht nur Spaß – Sport ist auch wichtig für die Gesundheit!“

,,Ich bin Anti-Fußballer“, sagt Gerald Schulze und lacht. Er ist der zweite Vorsitzende des FC Kickers Obertshausen, privat seit 40 Jahren Tennisspieler. Heute schaut er den Männern beim Spielen zu. „Zum Fußball bin ich wegen meiner Söhne gekommen“. Von einem Trainer des FCK Obertshausen habe er mitbekommen, dass Helfer gesucht werden. Warum nicht, dachte sich Schulze, der „von einem Ehrenamt ins andere gerutscht“ ist.

Fußball-Start durch Eigeninitiative

Die Hobby-Fußballmannschaft ist durch Eigeninitiative der Flüchtlinge entstanden. Alles hat bereits im vergangenen Jahr angefangen, als die jungen Männer bei der Stadt Obertshausen angefragt hatten. Annegret Krauß, die Ansprechpartnerin für Flüchtlinge in Obertshausen, organisierte daraufhin ein Treffen zwischen den Flüchtlingen und dem FCK. „Wir haben uns bei Kaffee und Kuchen im Vereinsheim getroffen“, erzählt Gerald Schulze. Die Idee stieß auf Begeisterung – Ende Januar begann schließlich der Kick-Off mit 18 fußballbegeisterten Flüchtlingen. „Es kommen ständig Neue dazu“, sagt Trainer Reinhard Neumann. Es bestehe auch die Möglichkeit, einige Hobby-Spieler in eine Mannschaft des FCK Obertshausen zu integrieren. „Es sind schon sehr talentierte Männer dabei“, so der Trainer, der selbst 15 Jahre lang Fußball gespielt hatte.

Talent bringen sie also mit. Was den Spielern aber fehlt, sind Fußballschuhe und Spielkleidung für den Winter. Mit kurzen Hosen rennen einige über den Gummiplatz. Gerald Schulze zeigt Fotos von der letzten Trainingseinheit im Schnee – der Schnee, auf dem Mohammad letztens ausgerutscht ist und sich den Fuß verletzt hatte. Die Hobby-Fußballer stecken trotz der Wetterbedingungen viel Herzblut in das Spiel. „Sie müssen aber dringend mit einer richtigen Aufrüstung ausgestattet werden”, sagt Neumann.

Mohammad

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