Zum Auftakt der bundesweiten interkulturellen Wochen organisierte der Koordinationskreis Asyl Darmstadt gemeinsam mit anderen Asylkreisen das Willkommens-Kultur-Fest in der Heydenmühle in Otzberg. „Musik verbindet“ lautete das Motto am vergangenen Samstag. Bei einem ganztägigen Musikprogramm und leckeren Spezialitäten aus aller Welt sollten Deutsche und Geflüchtete zusammengeführt werden und feiern. Ein Fest der Sinne und Begegnung.

Von Naoual

12.30 Uhr, Lengfeld in Otzberg. Es zieht mich in eine ländliche und festlich geschmückte Gegend im vorderen Odenwald. Heydenmühle wird sie genannt, und dort angekommen genieße ich zuallererst die Sicht auf die weiten Felder.

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Ich höre Stimmen, blicke nach links. Einheimische lächeln mich mit freudigen Gesichtern an, begrüßen mich, als wäre ich ihnen bekannt. Wie schön, denke ich mir. Für einen Tag raus dem Stadtleben, wo Menschen Wand an Wand leben und sich dennoch anonym sind.

Schilder und bunte Ballons weisen mir den Weg zum Willkommens-Kultur-Fest. Es dauert keine zehn Sekunden, bis ich auf die ersten bekannten Gesichter treffe. Darunter: Johannes Borgetto, Leiter des Koordinationskreises Asyl Darmstadt (KOKAS),

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Henan aus Syrien.

der das Fest gemeinsam mit anderen Asylkreisen organisiert hat. Und ich traf auf Flüchtlinge wie Henan, die Erinnerungen wach werden ließen. Wisst ihr noch, wie er letztes Jahr mit seiner Gesangseinlage im Refugees Welcome Café in Darmstadt für Begeisterung sorgte?

13 Uhr. In einer Stunde geht das Willkommens-Kultur-Fest los. 15 Flüchtlings-Initiativen aus den Landkreis Darmstadt-Dieburg und zwei Arbeitskreise der Stadt Darmstadt beteiligen sich an dem Fest. KOKAS, das Internationale Büro des Landkreises Darmstadt-Dieburg und andere Veranstalter holen ihre Broschüren und weiteres Infomaterial aus ihren Kisten heraus. IMG_2325In einem Häuschen bereiten Ehrenamtler und Flüchtlinge das Geschirr vor, stellen Getränke heraus und decken den Tisch. Schokotorte, Rübli-Mandel-Torte, Bananensplit-Kuchen, ein Schoko-Gugelhupf-Kuchen und vieles mehr landet auf den weiß gedeckten Tischen. Dass am Ende kein Krümel übrig bleiben wird, war voraussehbar.

Draußen erwartet die Besucher neben deutscher Kost IMG_2343auch Spezialitäten aus Somalia (zum Beispiel Mugasgas – süßes Gebäck mit Schwarzkümmel) und Syrien (unter anderem Yabrak – gefüllte Weinblätter, serviert mit Reis, Gemüse und Fleisch). Am Stand des Sozialkritischen Arbeitskreises Darmstadt bereiteten Mitarbeiter und Flüchtlinge spanische Paella in einer riesigen Pfanne zu.

14 Uhr. Die ersten Gäste treffen ein, und es dauert nicht lange, bis ich den Überblick über die Menschen verliere. IMG_2381Deutsche Besucher, Aktivisten, Freunde und Helfer sowie Geflüchtete aus verschiedenen Nationen bahnen sich ihren Weg durch die Heydenmühle. Es gibt nicht nur Leckeres für den Magen, sondern auch Schönes für die Ohren – denn das Willkommens-Kultur-Fest wird von einem vielfältigen Musikprogramm begleitet.

Ich treffe auf Menschen mit bunt gemusterten Oberteilen im afrikanischen Stil. Tonton nennen sie sich. In Kürze beginnt ihr Auftritt. Auf Französisch erzählt mir der Trommler, er lebe in Mainz, käme aber ursprünglich aus dem Senegal, IMG_2420wo er jährlich Tanz-, Gesang- und Percussion-Workshops nahe der Lagune „Petite-Côte“ anbietet. Der fröhliche Herr drückt mir eine Broschüre in die Hand, bittet noch um ein Gruppenfoto und macht sich direkt danach auf den Weg zum Amphitheater gegenüber.

Tonton ist die erste von fünf Bands, die am heutigen Musikprogramm teilnimmt. Während ihrer Probe treffen immer mehr Leute in das Amphitheater ein. Als die Show beginnt, lassen afrikanische Klänge das Publikum in eine andere Welt eintauchen. „Kommt nach vorne und tanzt!“, ruft der Trommler dem Publikum zu. Gesagt, getan. Selbst in der Pause nach ihrer einstündigen Performance ist die Stimmung nicht zu übertreffen.

Als kurdische Musik aus den Lautsprechern ertönt, halten sich die Menschen an den Händen. Sie bilden einen Kreis, tanzen und lachen. Selbst Nieselregen und dunkle Wolken können der IMG_2453Stimmung am späten Nachmittag nichts anhaben. Weiter geht es nach der Pause mit Shahryar & Friends und ihrer persischen Musik. Die Bands Furat Duo, Bridges und Besidos & das Soundkitchen Orchestra begeistern das Publikum im Laufe des gesamten Festes mit orientalischer Musik, Gitarrenklängen und ganz besonderen Stimmen.

Das ist ein Fest, das nicht so schnell in Vergessenheit gerät. Ein Fest, das zeigt, dass Musik verbindet – über alle Länder und Kulturgrenzen hinweg.


 

 ©rmrefugees/ Naoual

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